Johanniskraut -
und die Seele blüht auf
Warnhinweis
  Johanniskraut, ein uraltes Heilmittel, öffnet um den 24. Juli herum - dem Johannistag - seine Blüten und die Ernte kann beginnen. Johanniskraut ist in aller Munde und hat als Heilmittel sogar in der Schulmedizin Anerkennung gefunden. Es wird heute, verarbeitet als Salbe, zur Wundbehandlung eingesetzt, gilt aber hauptsächlich als "Balsam für die Seele" bei Erschöpfung und für alle, die an Stress, Überreiztheit, leichten bis mittelschweren Depressionen oder an Schlafstörungen  leiden.

 

Johanniskraut
Stiftung Warentest untersuchte Pflanzenheilmittel, u.a. auch das Johanniskraut, auf Inhaltsstoffe und deren Wirkungen. Laut "TEST" zeigen Statistiken: Rund 25% beträgt heute schon der Anteil von Johanniskraut an allen ärztlichen Antidepressiva-Verordnungen (Nachzulesen im TEST-Heft 5/2000). In Apotheken und Reformhäusern wird das Johanniskraut als Tee, in Tropfen- und Drageeform angeboten.

   Holen Sie sich doch einfach eine Johanniskrautpflanze in Ihren Garten, nutzen Sie die natürlichen "Zauberkräfte" dieser Pflanze und schon kann eine regelmässige, vor allem aber natürliche Einnahme beginnen.


 
 
Johanniskraut im eigenen Garten
   Überall in Europa wächst dieses uralte Heilkraut an sonnigen, trockenen und kargen Plätzen, auch am Waldrand. Im Garten braucht das Johanniskraut viel Sonne und einen durchlässigen Boden. Wer einen Kräutergarten oder eine Kräuterspirale besitzt, kann das Johanniskraut ohne weiteres dazu pflanzen.

 
 
 
Was ist dran an diesem Johanniskraut?
   Untersuchungen nach den Inhalts- und Wirkstoffen des Johanniskrauts zeigen viele einzelne Stoffe auf:
  • ätherische Öle
  • Hypericin
  • Harzsubstanzen
  • Flavonoide                       und
  • Gerbstoffe
   Die häufig in Wohngärten angepflanzten Johanniskraut-Zierformen mit ihren sehr beeindruckend grossen, schönen Blüten besitzen diese Wirkstoffe und damit die Heilkräfte leider nicht. Nur das "Echte" Johanniskraut (Hypericum pervoratum) gibt heilende Inhaltsstoffe frei. Damit Sie auch ganz sicher sein können, das "Echte" Johanniskraut zu besitzen, hier einige typische Erkennungsmerkmale:
  • Hypericum pervoratum wird ca. 40-80 cm hoch und hat einen zweikantigen Stängel
  • Hält man die Blätter gegen das Licht, müssen diese durchscheinende Stellen aufweisen. Diese Stellen sind Sekretbehälter (Öldrüsen der ätherischen Öle) und sehen im Gegenlicht wie Löcher aus. Das ätherische Öl des Johanniskrauts befindet sich nur in den Blättern dieser Pflanze.
  • Zerreibt man die gelben Johanniskrautblüten zwischen den Fingern, färben sie die Haut rot, weil der rote Farbstoff, das Hypericin, dabei austritt. Dieser Farbstoff macht die beruhigende und antidepressive Wirkung der Heilpflanze aus.
   Geerntet werden kann vom Johanniskraut theoretisch alles (Blätter, Stängel und Blüten). Der Erntezeitpunkt beginnt ab dem 24. Juni - wobei um diese Zeit allerdings die Blüte erst beginnt - bis hin in den September hinein. An sonnigen, trockenen Tagen können entweder nur die Blüten vorsichtig abgezupft oder das gesamte Kraut mit Stängel knapp über dem Boden abgeschnitten werden.

   Blüten können sehr gut auf einer dünnen Schicht Küchenpapier an einem warmen, schattigen und luftigen Ort trocknen. Das gesamte Kraut mit Stängel wir mit einem Gummiband gebündelt und kopfüber an einen luftigen, schattigen Platz zum Trocknen aufgehängt.

   Wer zum Trocknen keine Zeit, bzw. keine Lust hat, kann natürlich jederzeit frische Pflanzenteile ernten und verwenden. Als natürliches Heilmittel kann Johanniskraut innerliche und äussere Anwendung finden. Für die Praxis folgen einige Beispiele.


 
 
 
Äussere Anwendung - Verwendung zur Wundbehandlung
Im Verhältnis 1:10 werden Johanniskrautblüten und kaltgepresstes Öl (10g Blüten und 100 ml Öl) in einen Topf gegeben und erhitzt. Nach 20 Minuten Siedezeit (nicht kochen) die Blüten absieben, 10g Bienenwachs unterrühren und schmelzen lassen. Die fertige Masse in Dosen füllen und nach dem Erkalten verschliessen.
   Diese Salbe ist hervorragend zur Behandlung von Wunden, Narben, Muskelverspannungen und besonders Verbrennungen  geeignet.

   Auch in flüssiger Form, zu Öl verarbeitet, kann das Johanniskraut wohltuend sein:

Hierfür werden zwei Esslöffel Blüten in ein Glas gefüllt und mit Öl übergossen. Mit einem Tuch bedeckt sollte es etwa eine Woche lang auf einer hellen Fensterbank stehen. Danach das Glas verschliessen und weitere sechs Wochen stehen lassen, dabei täglich gut durchschütteln. Das Öl nimmt während dieser Zeit den roten Farbstoff Hypericin auf und bekommt eine schöne rote Färbung. Nach sechs Wochen das Ölgemisch durchsieben und in eine dunkle Flasche füllen. Kühl aufbewahrt (Haltbarkeit ca. 1 Jahr) haben Sie stets bei den o.g. Beschwerden das schmerzlindernde Johanniskraut-Öl zur Hand.

 
 
 
Innerliche Anwendung - Einschlafhilfe, Antidepressiva, Erschöpfung
   Das Johanniskraut-Öl löffelweise eingenommen - ein Esslöffel pro Tag - stärkt die Abwehrkräfte des Körpers und ist gut für Magen, Darm, Galle, Leber ...und vor allem für die Seele.
   Auch als "Gute-Laune-Tee" ist Johanniskraut geeignet:
1-2 Teelöffel getrocknete oder frische Blüten mit 1/4l kochendem Wasser übergiessen, 5-7 Minuten ziehen lassen und täglich (immer frisch zubereitet) 2-3 Tassen davon trinken.

 
 
 
Was ist unbedingt zu beachten?
   Bei der äusserlichen Anwendung  wirkt das Johanniskraut sofort, bei der Einnahme (innerlich) sollte man natürlich keine Wunder erwarten. Wie bei allen pflanzlichen Mitteln benötigt auch das Johanniskraut eine gewisse Zeit, bis die Heil- und Inhaltsstoffe im Körper zu Wirkung kommen. Dabei bloss nicht die Geduld verlieren, es kann schon ein paar Wochen dauern!

   Johanniskraut darf niemals überdosiert werden, z.B. nach dem Motto:
"Viel hilft auch viel"!

   Mit einer Überdosierung wird genau das Gegenteil erreicht. Schlafstörungen und innere Unruhe können sich dadurch einstellen und gelegentlich treten auch Allergien auf.

   Bei einer sehr langen Einnahme von Johanniskraut besteht bei hellhäutigen Menschen die Gefahr, dass beim Sonnenbaden die Haut verbrennt. Das Hypericin, der rote Farbstoff der Blüten, löst diese Sonnenlicht-Empfindlichkeit aus.

   Johanniskraut kann die Wirksamkeit gleichzeitig eingenommener Medikamente beeinflussen. Bestimmte Medikamente müssen dann höher, bzw. anders dosiert werden. Bei Operationen ist das Johanniskraut sogar in der Lage, die Wirkdauer der Narkose zu beeinträchtigen.
 

In diesen Fällen sollte die Einnahme von Johanniskraut unbedingt mit dem Hausarzt besprochen werden!!
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Autorin: Ursula Kruse LA Meppen
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 2000

 
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