Meerrettich
drückt gewaltig auf die Tränendrüse
   Die Zubereitung des Meerrettich (Armoracia rusticana oder lapathifolia) kann genauso tränenreich sein wie die mit Zwiebeln. Als naher Verwandter des schwarzen Rettichs enthält er Senföle und verschiedene Schwefelverbindungen. Darauf reagieren unsere Schleimhäute sehr empfindlich und lösen den berühmten "Druck auf die Tränendrüse" aus.

   Lange, gerade Meerrettichstangen, wie sie im Handel angeboten werden, lassen sich nur im einjährigen Anbau erzeugen. Diese, meist erwerbsmässige Anzucht, ist (von einigen Ausnahmen abgesehen) für den normalen Hausgärtner zu arbeitsintensiv.

   Im mehrjährigen Anbau (nicht so arbeitsaufwändig) wächst der Meerrettich zwar nicht so "formschön" (die Wurzeln sind meistens krumm und machen in der Küche deswegen etwas mehr Putzarbeit), aber die Qualität, die Inhaltsstoffe und der Geschmack stehen dem des gekauften Rettich in nichts nach. In der Küchenpraxis wird Meerrettich hauptsächlich geraspelt/gerieben zum Würzen verwendet, so dass die nicht unbedingt "schönen" Wurzelstangen auf den Tisch kommen müssen.

   Heute gibt es zwar überall im Handel konservierten Meerrettich in Gläsern und Tuben zu kaufen, aber geschmacklich sind die Wurzeln aus dem eigenen Garten natürlich durch nichts zu ersetzen.


 
 
 
Anzucht und Pflege
   Für den mehrjährigen Meerrettichanbau kann jeder Hausgärtner einen Platz im Garten finden. Wichtig zu wissen ist nur, dass diese Pflanze stark wuchert (ähnlich wie Quecke oder Giersch), was bei der Auswahl des Standortes berücksichtigt werden sollte. 

   Den Inhaltsstoffen der Meerrettichwurzeln wird nachgesagt, dass sie eine vorbeugende und hemmende Wirkung auf die Pilzkrankheit Monilia (Zweig- und Spitzendürre) haben soll. Monilia befällt hauptsächlich Kirsch- und Mandelbäume.Tritt diese Obstbaumkrankheit in ihrem Garten auf, können sie den Rettich direkt unter oder neben die befallenen Bäume oder Sträucher pflanzen. Ansonsten benötigt die Pflanze nur eine kleine Gartenecke, in der die Wurzeln sich mehr oder weniger selbst überlassen bleiben.

   Im Samenfachhandel werden Meerrettichwurzeln (auch Fechser genannt) für die Pflanzung angeboten. Sie können sich aber auch beim Gemüsehändler eine Meerrettichstange kaufen, einige Nebenwurzeln abschneiden und diese für die Pflanzenanzucht verwenden. Vielleicht schenkt Ihnen Ihr Gartennachbar aber auch ein paar Fechser!

Meerrettich-Pflanze
   Meerrettich kann ganzjährig gepflanzt werden und wächst in jedem Gartenboden. Da die Pflanze Humus und Feuchtigkeit liebt, sollte das ca. 30cm tiefe Pflanzloch mit ausgereiftem Kompost gefüllt und gründlich gewässert werden. Die Fechser werden dann einfach 15cm tief in die Erde gelegt. Zusätzlich sollte man schon vor Beginn der Kultur 40g/qm Volldünger streuen und während der Wachstumszeit (und auf Dauer jährlich) nochmals die gleiche Menge als Kopfdünger geben. So kann der Meerrettich kräftig wachsen und, je stärker sich das Laub der Pflanze entwickelt, desto besser bilden sich auch die Wurzeln aus. Falls sich Blütentriebe bilden, müssen diese weggeschnitten werden, da sie die Pflanze schwächen und die Nährstoffe nicht der Blüte, sondern der Wurzelbildung zugute kommen sollen. Im Herbst stirbt das Laub ab und treibt im Frühjahr wieder aus. Ab dem zweiten Standjahr kann dann regelmässig und zu jeder Zeit geerntet werden.
   Hierfür graben Sie den Boden auf und entnehmen einige Wurzeln (je nach Bedarf) heraus. Kleinere Nebenwurzeln, die sich an den Hauptwurzeln bilden, entfernen sie einfach und legen sie wieder in den Boden. Bei dieser Anbaumethode fällt ausser Giessen, Düngen (und natürlich Ernten) keinerlei Arbeit an.

   Der Meerrettich entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einer abgehärteten, mehrjährigen Pflanze mit grossen (manchmal bis zu einem Meter), derben Blättern, die das ganze Jahr Jahr gesund und kräftig aussieht. Die Wurzeln werden in der Küche hauptsächlich roh als Würze verwendet, da sie gekocht an Schärfe verlieren. Nach dem Reiben/Raspeln muss Meerrettich unverzüglich verarbeitet werden, denn trotz seiner natürlichen Schärfe verliert er rasch an Aroma. Will man den Geschmack des Rettichs jedoch reduzieren, kann man die Schärfe durch Zugabe von Sahne erheblich mildern und verfeinern.

Meerrettich-Wurzel
   Meerrettich eignet sich hervorragend als Beilage zu Rindfleisch, besonders wenn er als Sahne-Meerrettich zubereitet wird. Die Wurzeln enthalten sehr viel Vitamin C, regen den Stoffwechsel und die Verdauung an und reinigen das Blut.

    All dies und noch vieles mehr sind Gründe, warum Sie dem Meerrettich unbedingt einen Platz in Ihrem Garten (oder Vorgarten) widmen sollten.


 
Autorin: Ursula Kruse LA Meppen
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 10/1998

 
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