Schlehe
Erst der Frost macht ihre Beeren süss
   Bei der Pflanzung von Gehölzen im Ziergarten finden heute immer mehr einheimische Wildgehölze Verwendung. Sie stellen für den Garten nicht nur eine Bereicherung durch Blüten und Beeren dar, sondern sie haben auch der Tierwelt durch diese Blüten- und Beerenvielfalt sehr viel zu bieten (Bienennähr-, Vogelnist- und Vogelschutzgehölz).

   In die Gruppe der einheimischen Wildgehölze gehört auch die Schlehe (Prunus spinosa). Im Volksmund wird dieses Gehölz auch Dornschlehe, Schwarzdorn oder Schlehdorn genannt.

   Der kleine, bis 3 m hohe sparrig wachsende, dornige Strauch, der zu Rosengewächsen zählt, passt sehr schön in naturnah gestaltete Ziergärten. Vom Ursprung her liebt die Schlehe einen kalkhaltigen Standort in sonniger, geschützter Lage. Die grosse Verbreitung der wildwachsenden Schlehe (an Feld- und Waldrändern) beweist jedoch, dass dieser Strauch sehr anspruchslos und widerstandsfähig ist, ja eigentlich sogar mit allen Standortbedingungen zurecht kommt.

Schlehe
   Die Zweige dieses Gehölzes stehen sehr steif ab und die einzelnen Kurztriebe enden in sehr langen und spitzen Dornen. Daher wird Prunus spinosa auch "lebender Stacheldraht" genannt. Um den Ziergarten nicht nur mit "Stacheldraht" einzuzäunen, sollte der Schlehenstrauch für eine Hecken- oder Rahmenpflanzung immer nur zusammen mit anderen Gehölzen (z.B. Hartriegel, Haselnuss, Berberitze und Hundsrose) gepflanzt werden. So entstehen Pflanzengruppen, die nicht nur sehr gut aussehen, sondern auch ein reichhaltiges Tierleben garantieren. Im zeitigen Frühjahr, oft schon vor dem Laubaustrieb, blühen die Schlehen. Sie bieten daher sehr früh im Jahr reichlich Nektar für Insekten. Mit diesen Blüten verbindet sich eine alte Wetterregel:
"Wenn die Schlehen blühen, setzen die Eisheiligen ein"
   Im Herbst ist dieses Gehölz über und über mit kirschgroßen Steinfrüchten, den sogenannten "Schlehen" besetzt. Ab September färben sie sich von blau bereift bis dunkelschwarz und hängen oft bis in den tiefen Winter. Diese reifen Früchte sind ein beliebtes Herbst- und Winterfutter für zahlreiche Vögel. Daher werden diese Sträucher auch als "Vogelnährgehölze" bezeichnet (wie z.b. Eberesche oder Holunder).

   Der Name "Schlehe" kommt übrigens von dem Wort "Schleh" und bedeutet "matt, stumpf an den Gaumen kommend". So ist auch der Geschmack der Früchte vor dem ersten Frost: Herb, sehr sauer, den Gaumen zusammenziehend. In diesem Zustand sind die Schlehen kaum geniessbar. Durch Frosteinwirkung schrumpfen die Früchte etwas, werden aber auch sehr viel milder im Geschmack. Der Frost bewirkt, dass der sehr hohe Gerbstoffgehalt in der Steinfrucht herabgesenkt wird. Dadurch kristallisiert sich dann das eigentliche Aroma heraus: Ein süsslicher, milder Geschmack nach Bittermandel, Pflaume und auch Kirsche. Jetzt können die Schlehen für den menschlichen Verzehr geerntet und zu Saft, Marmelade, Mus, Wein oder Likör weiterverarbeitet werden.

Früchte der Schlehe    Wer mit der Schlehenernte nicht bis nach der ersten Frostnacht warten möchte, kann die Früchte aber auch schon vorher ernten und einen Tag im Gefrierschrank lagern. So können Schlehen schon vor dem Winter in der Küche verarbeitet werden (Anm. des Setzers: ... und ein grosser Teil der Ernte wird vor hungrigen Vögeln "gerettet").

   Die Vermehrung des Schlehenstrauches erfolgt oftmals generativ, d.h. über Früchte und Samen, die durch Vögel verbreitet werden. Dieses geschieht jedoch eigentlich nur nach dem Zufallsprinzip. Möchte der Gartenbesitzer eine gezielte Vermehrung der Schlehen vornehmen, bietet sich die vegetative Vermehrung durch Pflanzenteile an.

   Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:
1. Bei Bodenkontakt bewurzeln sich die Zweige dieses Gehölzes relativ schnell (Absenker). Nach der Bewurzelung wird der Zweig vom Strauch abgeschnitten und als neue Schlehe gepflanzt.

2.  Die Schlehe ist ein ausgesprochener Flachwurzler mit einem sehr ausgedehnten Wurzelgeflecht und sehr weitreichender Ausläuferbildung. Werden einige dieser Ausläufer von dem gesamten Wurzelwerk getrennt und an anderer Stelle ausgepflanzt, wachsen neue Sträucher heran.

3. Schlehen können hervorragend durch Steckhölzer vermehrt werden. Steckhölzer sind Teilstücke von einjährigen Ruten, die in der Zeit von November bis Mitte Februar geschnitten werden. Hierfür werden kräftige Jahrestriebe (einjährige Ruten) in Stücke von ca. 20cm Länge geschnitten. Jedes Teilstück sollte am oberen Ende eine gut ausgebildete und ausgereifte Knospe haben. Diese frischgeschnittenen Steckhölzer werden gebündelt und bis zum nächsten Frühjahr frostfrei gelagert. Im kommenden Frühjahr können die Hölzer mit Abstand in Beete gesteckt werden (daher auch der Name "Steckhölzer"). Diese so vermehrten Gehölze lassen sich wunderbar in die Hecken- oder Rahmenbepflanzung des Gartens einplanen.

TIPP: Haben Sie keinen eigenen Garten, sollten Sie sich unbedingt die Standorte der im zeitigen Frühjahr blühenden Schlehenbüsche in der freien Natur merken und diese zum Winter zur Ernte wieder aufsuchen.

 
 
 
Schlehen-Likör
    Einen wärmenden Tropfen für kalte Winterabende stellen Sie mit diesem Rezept her. Dafür benötigen Sie:
300g reife Schlehen
200g weissen Kandis-Zucker
1 Vanillestange
1 Flasche (guten) Korn

   Die Schlehen gut waschen, mit einem Messer einritzen und mit dem Kandis und der aufgeschlitzten Vanillestange in eine Flasche geben. Alles mit dem Korn übergiessen und die Flasche verschliessen. Mindestens zwei Monate ziehen lassen. Danach den Aufgesetzten filtern und in eine Likörflasche füllen.


 
 
 
Entsaften von Schlehen
   Die geernteten Schlehen mit einem scharfen Messer einritzen, mit Wasser bedeckt weichkochen und alles durch ein Safttuch filtern. Auf 1 Liter Saft 500g Gelierzucker nehmen und das ganze 5 Minuten leicht kochen. Danach in Flaschen füllen.

 
 
 
Gelee mit Schlehensaft
   Für den schmackhaften Brotaufstrich benötigen Sie:
0,25 Liter Schlehensaft (siehe oben)
0,25 Liter Apfel-, Birnen-, Brombeer- oder Holundersaft
1 kg Gelierzucker

   Die Obstsäfte mit dem Gelierzucker kalt vermischen, aufkochen und vier Minuten sprudelnd kochen lassen. Anschliessend den heissen Saft in erhitzte (Twist-off-)Gläser füllen, verschliessen und auskühlen lassen.


 
Autorin: Ursula Kruse LA Meppen
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 1999

 
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