Beerenjagd - leckere Waldfrüchte für den Garten
  Neben Johannis- und Stachelbeeren gibt es Obstgehölze, die nicht als "typische" Gartenpflanzen gelten, deren Anbau im Garten aber mehr Beachtung verdient: Brombeeren, die sich auch für Hecken eignen; Kulturheidelbeeren, deren Anbau einfacher ist, als man meint; der Großstrauch Holunder, der schon von unseren Vorfahren vielseitig verwendet wurde.

 
Schwarze Früchtchen
  Brombeeren werden meist am Wegesrand gepflückt und daher selten in den Gärten kultiviert. Wir finden sie an Waldrändern oder Feldwegen, dort bilden sie ein dichtes Strauchwerk, das vielen Tieren Unterschlupf und Nahrung gewährt.
  In Deutschland werden Brombeeren erst seit ca. 150 Jahren kultiviert, zunächst als undurchdringliche Grundstücksbegrenzung. Durch Züchtung gibt es inzwischen dornenlose Sorten, die leichter zu pflegen und zu ernten sind, sie erreichen jedoch oft nicht das Aroma ihrer "wilden" Vettern. Empfehlenswerte Sorten für den Hausgarten sind z. B.: "Theodor ReimersTM" (rankend, mit Dornen), "Black SatinTM" oder "ThornfreeTM" (dornenlos). In Nordamerika spielen Brombeeren eine größere Rolle als in Deutschland. So verwundert es nicht, daß die meisten Neuzüchtungen aus den USA stammen; übrigens auch viele Kreuzungen zwischen Him- und Brombeere, wie z.B. Taybeeren, Logan- oder Boysenbeere.
  Brombeeren benötigen einen humosen, lehmigen (evtl. auch sandigen) Boden in sonniger Lage. Sie sind ab -15°C frostgefährdet und sollten daher einen geschützten Standort erhalten. Der Pflanzabstand beträgt in der Reihe 1,5 - 2,5 m, der Reihenabstand liegt bei etwa drei Meter. Wie Himbeeren benötigen die meisten Brombeersorten ein Gerüst, an das die drei bis fünf Meter langen Ranken befestigt werden. Brombeeren verjüngen sich aus dem Wurzelstock heraus. Abgetragene Ranken werden nach der Ernte (bis ins zeitige Frühjahr hinein) entfernt. Im Sommer werden überzählige und schwachwachsende Ranken entfernt sowie Geiztriebe eingekürzt. Pro Pflanze beläßt man etwa sechs Ranken, die aufgebunden werden.
  Schon immer wurden Brombeeren vielseitig genutzt: die Blätter zählen zu den ältesten Naturheilmitteln und sind noch heute eine wertvolle Grundsubstanz vieler Kräutertee - Mischungen, die aromatischen Beeren eignen sich zum Rohgenuß, oder werden verarbeitet zu Saft, Kompott, Brotaufstrich, Wein... Werden Brombeeren bis zu ihrer endgültigen Verarbeitung tiefgefroren, so "verblaßt" die schwarze Farbe zu Dunkelviolett.
  Seit Jahren wird immer wieder vor dem Genuß roher Waldfrüchte und Pilze gewarnt, besonders in Gegenden, in denen Füchse heimisch sind. Durch rohe Beeren können Fuchsbandwurmeier mit verzehrt werden. Waldfrüchte sollten daher erst unbedingt auf mind. 60°C erhitzt werden (Saft kochen, Marmelade herstellen...), um die Eier abzutöten. Übrigens: Einfrieren führt nicht zur Abtötung der Eier.

 
Blauer Genuß
  Heidelbeeren sind in ganz Europa verbreitet. In lichten Wäldern bilden sie häufig große Bestände. Als Blaubeere (auch Bick- oder Jakobsbeere) trägt sie einen bezeichnenden Namen; hinterlassen die Beeren doch z.T. sehr hartnäckige Flecken auf der Kleidung.
  Kulturheidelbeeren haben meistens weißes Fruchtfleisch (das keine Flecken verursacht), der Geschmack ist jedoch oft nicht so gut wie bei den heimischen Sorten. Viele Neuzüchtungen kommen aus den USA, grundsätzlich unterscheidet man zwischen groß- und niedrigbuschigen Sorten. Heidelbeeren sind grundsätzlich selbstfruchtbar, der Fruchtansatz fällt bei Fremdbestäubung aber besser aus. Im Garten sollten daher verschiedene Sorten angebaut werden, um einen guten Ertrag zu erzielen. . Geeignete Sorten mit sehr gutem Geschmack sind z.B."BluettaTM", "BluecropTM", "AMATM"...
  Für den erfolgreichen Anbau sind die richtigen Bodenverhältnisse wichtig: der Boden muß kalkarm, d.h. sauer sein (pH-Wert: 4,3 - 5), dabei aber sehr humos. Auch sandiger Boden eignet sich, wenn der pH-Wert niedrig genug ist. Dies kann erreicht werden durch Gaben von Laub-/Rindenhumus, dem saure Walderde beigemischt wird. Eignet sich der Boden ganz grundsätzlich nicht, können Heidelbeeren auch in großen Gefäßen oder Hochbeeten mit entsprechender Substratmischung kultiviert werden. Gepflanzt wird im Abstand von 1 - 1,5 m, der Reihenabstand beträgt zwei Meter. Heidelbeeren reagieren empfindlich auf einen hohen Salzgehalt im Boden. Die Düngung sollte daher eher sparsam und mit langsamwirkenden Düngern erfolgen, regelmäßiges Mulchen fördert die Humusbildung.

 
Geheimnisvolle Wesen
  Der Schwarze Holunder, auch Holler oder Flieder genannt, war für unsere Vorfahren eine heilige Pflanze. Bei den alten Germanen galt er als Sitz der Hausgeister, die neben Haus und Hof auch die Gesundheit schützten. Auch wer später an einem Holunderstrauch vorbeiging, verneigte sich ehrfürchtig, um sich des Wohlwollens der Schutzgötter zu versichern.
  Holunder ist kein typisches Gehölz für den Garten. Man findet ihn eher an Wegesrändern, in Windschutz- und Hofanlagen oder sonstigen Unterpflanzungen. Zahlreichen Tierarten gibt der Holunder Schutz und Nahrung. In der Phänologie (Wissenschaft der jahreszeitlich bedingten Erscheinungsformen von Pflanzen und Tieren) zeigt der Blühbeginn des Holunders den Frühsommer an.
  In großen Gartenanlagen hat Holunder durchaus eine Daseinsberechtigung, z. B. in breiteren Hecken, naturnahen Pflanzungen oder als Busch in der Unterpflanzung größerer Gehölze. Er bevorzugt stickstoff- und humusreiche Böden, gedeiht aber auch in sandigen Böden. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein. Er erreicht eine Höhe von etwa drei bis sieben Metern und wird drei bis fünf Meter breit. Holunder soll auf seine Nachbarpflanzen eine fördernde Wirkung haben. Durch seinen positiven Einfluß auf die Zersetzung organischer Stoffe im Boden ist ein Standort in Kompostnähe fast ideal. Empfehlenswert für den Hausgarten ist die Sorte "Riese aus VosslochTM".
  Schwarzer Holunder ist in der Küche vielseitig zu verwenden. Die cremeweißen, aromatisch duftenden Blüten werden zu erfrischendem Saft, Sirup oder Sekt verarbeitet oder in Pfannkuchenteig ausgebacken. Die glänzend schwarzen saftreichen Früchte werden zu Saft, Gelee, Suppe... verarbeitet. Heißer Holundersaft oder heißer Fliederblütentee gelten als Hausmittel gegen Erkältungserkrankungen. Rinde und Blätter haben eine stark entwässernde Wirkung, "Kuren" damit dürfen selbstverständlich nur nach Rücksprache mit dem Arzt durchgeführt werden. Rohe Beeren (auch roher Saft!) sind ungenießbar, sie enthalten Sambunigrin, das Durchfall und Erbrechen hervorruft.
  Roter Holunder ist noch bescheidener in seinen Ansprüchen als sein schwarzer Namensvetter. Er bevorzugt einen lockeren, humosen, kalkarmen, eher lehmigen Boden, ist aber auch mit weniger gutem Standort in sonniger bis halbschattiger Lage zufrieden. Die scharlachroten Früchte sind roh ungenießbar und führen zu Magen- und Darmbeschwerden, früher wurden sie daher als Brech- bzw. Abführmittel eingenommen. Die Steine sind giftig, das Fruchtfleisch dagegen läßt sich in der Küche verwerten, von diesen Beeren muß also zunächst Saft gewonnen werden.

 
Autorin: Frauke Hiller LA Neuenhaus
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 1998

 
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