Nur schauen - nicht kauen
  Immer wieder liest man in der Tagespresse über Vergiftungen durch Pflanzen. Häufigste Ursache dafür ist Unwissenheit über die Giftigkeit oder Geniessbarkeit der Pflanzen, vielfach aber auch Nachlässigkeit im Umgang mit Pflanzen.
  Als "giftig" werden Pflanzen bezeichnet, deren Inhaltsstoffe Gesundheitsschäden bei Menschen oder Tieren verursachen können. Zwischen heilender und schadender Wirkung einer Pflanze gibt es oft fliessende Übergänge: so gelten die Wirkstoffe des Fingerhutes als hochwirksames Herzmedikament, Überdosierung oder Verzehr führen dagegen zu schweren Vergiftungen. Schon der Arzt Paracelsus wusste: "Allein die Dosis macht das Gift". Ob und wie stark ein entsprechender Wirkstoff beim Menschen als Gift wirkt, ist auch abhängig von Konstitution, Gesundheitszustand und Alter. Kleinkinder sind besonders gefährdet, bei ihnen genügen schon kleinste Mengen. Da der Geschmackssinn noch nicht voll entwickelt ist, werden bittere Früchte ausserdem oft nicht ausgespuckt (fast alle giftigen Früchte sind bitter).
  Der Gartenbesitzer hat die Möglichkeit, giftige Pflanzen im Garten zu vermeiden oder in den Hintergrund zu stellen. Aber auch an anderen Orten sind Kinder gefährdet - sie können nicht von allen Gefahren ferngehalten werden. Sie müssen daher so früh wie möglich lernen, nicht alles in den Mund zu stecken.

 
Giftpflanzen werden zur groben Orientierung in drei Gruppen eingeteilt:
1.) Stark giftige Pflanzen
    führen zu gefährlichen oder tödlichen Vergiftungen, wie Seh- oder Kreislaufstörungen bis hin zu Atem- oder Herzstillstand. Schon die Berührung oder der Verzehr kleinster Mengen kann schwerste Schäden verursachen. Die beliebte Kübelpflanze Engelstrompete gehört in diese Gruppe, ferner Eisenhut (wird oft als giftigste Pflanze Europas bezeichnet; die Wirkstoffe können auch über die Haut eindringen), Herbstzeitlose, Seidelbast, Lebensbaum und Tollkirsche.
Herbstzeitlose

 
2.) Giftige Pflanzen
  verursachen schwere Vergiftungen, wenn sie berührt oder verzehrt werden. Hierzu zählen Lupinen, Maiglöckchen, Efeu, Fingerhut, Pfaffenhütchen und Oleander. Vergiftungen durch Eiben sind bei Menschen eher selten. Bei Pferden reichen dagegen schon geringste Mengen, um tödlich zu wirken..
Pfaffenhütchen

 
3.) Schwach giftige Pflanzen
  führen zu eher leichten Befindlichkeitsstörungen wie Hautreizungen oder Erbrechen. Blauregen, Ginster und Schneeball werden zu dieser Gruppe ebenso gerechnet wie die sog. phototoxischen Pflanzen. Letztere können bei Berührung in Zusammenhang mit UV-Strahlen (Sonnenlicht) zu Hautschäden führen (Herkulesstaude, Weinraute, u. a.).
Ginster
  Zu Vergiftungen kommt es immer wieder durch schwach giftige Pflanzen, weil sie mit bekannten Nutzpflanzen verwechselt werden (z.B. Beeren des Schneeballs mit roten Johannisbeeren). Eine weitverbreitete Unart im Umgang mit Pflanzen - auch bei Erwachsenen - ist das Kauen an Trieben, Stengeln oder Blättern. Auch dies kann Übelkeit, Erbrechen usw. nach sich ziehen. Grüne Bohnen können zu Erbrechen, Magen- und Darmproblemen führen, wenn sie roh verzehrt werden. Sie sind nur gegart für den Menschen geniessbar. Von vielen Giftpflanzen gehen dagegen nur selten Vergiftungen aus, da sie für den Verzehr zu "unattraktiv" sind.

 
Was tun bei Vergiftungen?
  Ist es zu einer Vergiftung gekommen, heisst es: Ruhe bewahren. Der Anruf bei einer Gift-Notruf-Zentrale ist immer hilfreich. Dort erhalten Sie Hinweise für die zu treffenden Massnahmen. Bei Auftreten der klassischen Symptome (Bauch-/Gliederschmerzen, starke Hautrötung, Atem-/Kreislaufbeschwerden) ist dagegen schnellste ärztliche Hilfe erforderlich. Eine "Kostprobe" sollte mitgenommen werden, denn sie erleichtert das Bestimmen der Pflanze und Festlegen der notwendigen Therapie.
  Die meisten Unfälle mit giftigen Pflanzen verlaufen eher glimpflich. Trotzdem sollte sich jeder zur Gewohnheit machen, keine Pflanzen oder Pflanzenteile in den Mund zu nehmen, es sei denn: die Früchte sind sicher bekannt.

 
Gift-Notruf-Zentralen in Deutschland
Wo
Wer
Telefon-Nummer
Berlin Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie 030-192 40
Berlin Universitäts-Klinikum Rudolf Virchow 030-45 05 35 55 o.            45 05 35 65
Bonn Informations-Zentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn 0228-287-3211
Erfurt Gemeinsames Gift-Informationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 0361-730 730 730
Freiburg Universitäts-Kinderklinik Freiburg 0761-270 43 00 01 o.      192 40
Göttingen Gift-Informationszentrum Nord 0551-39 21 32 o. 192 40
Homburg Universitäts-Kliniken, Informations- und Beratungsstelle für Vergiftungsfälle 06841-192 40
Mainz II. Medizinische Polyklinik der Universität,
Beratungsstelle bei Vergiftungen
06131-192 40
München Giftnotruf München, Toxikologische Abteilung der II. Medizinischen Klinik Rechts der Isar der Technischen Universität München 089-192 40
Nürnberg II. Medizinische Klinik des Städtischen Krankenhauses Nürnberg-Nord 0911-3 98 24 51

 
  Auf einen Blick
1.) Stark giftige Pflanzen
Pflanze
giftige Pflanzenteile
Eisenhut (Aconicum) ganze Pflanze, besonders Wurzeln und Samen
Engelstrompete (Datura) ganze Pflanze, besonders Samen
Herbstzeitlose (Colchicum) ganze Pflanze, besonders Wurzeln (Knollen) und Samen
Kartoffel (Solanum) alle oberirdischen Teile, besonders Beeren (oberirdische Früchte)
Lebensbaum (Thuja) Zweigspitzen, Zapfen
Nachtschatten (Solanum) ganze Pflanze, besonders Beeren
Seidelbast (Daphne) ganze Pflanze, besonders Beeren, Samen, Rinde
Tollkirsche (Atropa belladonna) ganze Pflanze, Vergiftungen besonders häufig durch süße(!) Beeren
Wunderbaum (Ricinus) kaffeebohnen-ähnliche Samen
2.) Giftige Pflanzen
ganze Pflanze
giftige Pflanzenteile
Eibe (Taxus) ganze Pflanze
Fingerhut (Digitalis) ganze Pflanze, besonders Blätter
Goldregen (Laburnum) ganze Pflanze, besonders bohnen-ähnliche Schoten
Liguster (Ligustrum) Rinde, Blätter, besonders Beeren
Lupine (Lupinus) Samen
Maiglöckchen (Convalaria) ganze Pflanze, besonders Blüten, Beeren
Oleander (Nerius) ganze Pflanze
Pfaffenhütchen (Euonymus) ganze Pflanze, besonders rote Früchte
Alpenveilchen (Cyclamen) Knolle
3.) Schwach giftige Pflanzen
ganze Pflanze
giftige Pflanzenteile
Blauregen (Wisteria) ganze Pflanze
Ginster (Cytisus) ganze Pflanze
Herkulesstaude (Heraclum) besonders Pflanzensaft in Verbindung mit Sonnenlicht
Schneeball (Viburnum) Rinde, Blätter, Beeren
Holunder (Sambucum) ganze Pflanze, besonders rohe(!) Früchte
Schneebeere (Symphoricarpus) weiße oder rosa Beeren
Diese Tabelle gibt nur einen kleinen Überblick und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

ShakehandsLinks


Giftpflanzen-Datenbank
www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/pflanidx.html

 
Autorin: Frauke Hiller LA Neuenhaus
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 1999
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