Gewürze, die auch heilen können
   Die Einstellung zur "klassischen" Medizin hat sich heute sehr verändert. Naturheilkunde und Heilkräuter sind gefragt. Das Wissen um die Heilkraft von Pflanzen ist jedoch nicht neu. Die Kräutermedizin ist schon seit mehr als 2000 Jahren ein fester Bestandteil der Naturheilkunde. Kräuter sind und waren immer unverzichtbar: sie bieten oft eine gute Alternative zur Einnahme von Medikamenten, sind gut verträglich und haben keine oder oder nur geringe Nebenwirkungen. Bei vielen leichten oder anfänglichen Gesundheitsstörungen, die keine ärztliche Behandlung erfordern, können Kräuter wirksam eingesetzt werden. Alle Gewürzkräuter sind auch Heilkräuter mit mehr oder weniger wichtigen Wirkstoffen und Heilwirkungen.

   Im heimischen Kräutergarten, -beet oder der immer beliebter werdenden Kräuterspirale sind viele Kräuterarten zu finden, die oftmals nur als Gewürzpflanze in der Küche Verwendung finden. Gerade wer Lavendel, Salbei und Thymian zum Bestandteil seines Kräutergartens zählt, sollte auf die Heilkraft der ätherischen Öle dieser drei Kräuterarten zurückgreifen.

   Falls diese Kräuterarten in Ihrem Garten noch nicht zu finden sind, reservieren Sie schon mal ein Plätzchen dafür!!


 
 
Lavendel
Lavendel Lavendel (Lavendula augustifolia) ist ein mehrjähriger Halbstrauch, der etwa 
30-40 cm hoch wird und schon in die früheren Barockgärten gepflanzt wurde. Diese Kräuterstaude stammt aus dem Mittelmeerraum und liebt daher kalkhaltigen Boden und einen trockenen, sonnigen Standort. Die Aussaat von Lavendel kann ab Februar/März im Haus oder Frühbeet erfolgen. Mit der Pflanzung dieser Anzucht ins Freie, bzw. mit gekauften Lavendelstauden sollte bis Mitte Mai (nach den Eisheiligen) gewartet werden.
   Bei der laufenden Düngung (wie im gesamten Kräuterbeet) muss auf eine starke Stickstoffdüngung verzichtet werden, weil dadurch die Würzkraft der Kräuter und ihr Gehalt an ätherischen Ölen sehr vermindert wird. Da Lavendel sehr frostempfindlich ist, benötigt diese Staude einen guten Frostschutz (Abdeckung mit Tannenreisig oder Laub) und sollte nicht im Herbst, sondern erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden.

   Von Juli bis September blüht der Lavendel. Der günstigste Erntezeitpunkt für die Blätter und Triebe ist, wenn sie noch jung, jedoch voll entfaltet sind. Dann haben sich die ätherischen Öle am kräftigsten und stärksten ausgebildet. Meistens ist das kurz vor der Vollblüte bis Ende August der Fall. Blüten sollten gesammelt werden, wenn sie voll erblüht sind. Getrocknete Lavendelblüten und -blätter können für Duftzwecke Verwendung finden. Sie riechen sehr angenehm in Trockengestecken, Kräuterkissen und Potpourries. Ein Lavendelbeutel im Kleiderschrank sorgt für einen frischen Duft und hält sogar noch Kleidermotten fern.

   In der Naturkosmetik werden getrocknete Lavendelbüten (in ein Mullsäckchen eingebunden) dem Badewasser zugegeben. Es duftet nicht nur ungemein gut, das Bad wirkt auch beruhigend und entspannend. Lavendelblüten, als Tee aufgegossen und erkaltet, sind ein hervorrangendes Gesichtswasser.

   In der Naturheilkunde findet Lavendel sehr vielseitig Verwendung:

  • Bei Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen wirken kalte Kompressen mit einem Lavendelaufguss.
  • Als Tee (1-2 Teelöffel Lavendelblüten oder -blätter) aufgegossen und vor dem Schlafengehen getrunken, wirken die ätherischen Öle gegen Einschlafstörungen und Schlaflosigkeit. Lavendeltee hat zudem eine beruhigende, krampflösende Wirkung bei nervösen Darmbeschwerden, Blähungen und allgemeiner Unruhe.
   Bisher sind bei allen Anwendungen mit Lavendel keine Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten bekannt, so dass bei den verschiedensten Beschwerden auf Lavendel zurückgegriffen werden kann.

 
 
 
Salbei
   Ein alter Spruch heisst: "Wie sollte jemand sterben, der Salbei in seinem Garten hat?". Ein heutiger Volksmundspruch lautet: "Salbei im Garten - der Tod kann warten!". Salbei (Salvia officinalis) sollte tatsächlich in keinem Garten fehlen, denn die Heilkräfte dieses Krautes sind beeindruckend.

   Salbei ist eine immergrüne, dichtbuschig wachsende Kräuterstaude mit silbrigen Blättern und violetten Blüten. Die Pflanzen wird bei richtigem Standort (sonnig, durchlässiger und humoser Boden) ca. 40 cm hoch. Salbei kann im zeitigen Frühjahr gut unter Glas bzw. im Haus ausgesät werden und dann ab Mai in den Garten gepflanzt werden. Da Salbei aber ziemlich langsam wächst, bietet es sich eher an, fertige Pflanzen zu kaufen bzw. ältere Stauden zu teilen. Düngung und Pflege erfolgt im Laufe eines Jahres wie bei allen anderen Kräutern. Geerntet werden von der Pflanze die jungen Blätter, krautige Pflanzenteile und die Blüten. Die Pflanze strömt ihren typischen aromatischen Duft nur bei Sonnenschein aus; nur dann sollte auch geerntet werden. Am meisten Wirkstoffe und Würzkraft besitzen die Blätter, kurz bevor die violetten Blütten im Juli erscheinen.

   Die Inhaltsstoffe des Salbei's sind nicht nur ätherische Ole, sondern auch Gerb- und Bitterstoffe. Daher sollten die Blätter und Blüten nicht über eine längere Zeit und nicht in zu hoher Dosis eingesetzt werden.

   Im Bereich der Naturkosmetik wird das frische Erntegut als Aufguss für Kompressen, als Zusatz für Gesichtsdampfbäder und für Vollbäder zur Hautreinigung verwendet.

   Die Naturheilkunde nutzt die ätherischen Öle, Gerb- und Bitterstoffe des Salbei's voll aus. Man sagt diesen Stoffen stärkende Kräft für unter Stress stehende Menschen nach, ebenso für Menschen, die unter nervöser Erschöpfung und Prüfungsängsten leiden. Ein aufgebrühter Tee (ein Teelöffel Salbei-Blätter mit einer Tasse kochendem Wasser überbrühen), ob kalt oder warm getrunken, kann wahre Wunder bewirken. Salbei hat zudem noch eine blutreinigende Wirkung und unterstützt die Heilung von Entzündungen. Durch Gurgeln und Spülen mit dem o.g. Salbeitee werden Entzündungen im Mund- und Rachenraum, sowie Zahnfleisch- und Mandelentzündungen auf natürliche Weise behandelt. Nach Insektenstichen und Sonnenbrand können durch Auflegen frische Salbeiblätter die Schmerzen gelindert werden.


 
 
 
Thymian
   Thymian (Thymus vulgaris) ist eine typische Steingarten-Staude, die im Garten für trockene und sonnige Standorte geeignet ist. Der Garten-Thymian wächst aber auch hervorragend in einem Blumentopf  bzw. -kasten, falls im Garten kein geeignetes Plätzchen für ihn zu finden ist.

   Thymian ist einjährig oder als Kräuterstaude erhältlich. Um sich jedoch eine regelmässige, jährlich wiederkehrende Aussaat dieses Gewürzkrauts zu ersparen, wird am einfachsten eine Staude gepflanzt. Ältere Pflanzen lassen sich gut teilen, bzw. von alten Pflanzen können sehr gut Ableger genommen werden. Die niederliegenden Triebe des Salbei's haben meist schon reichlich Wurzeln gebildet, die dann sehr gut als Jungpflanzen Verwendung finden. Bei zu feuchten Böden oder zu hoher Stickstoffdüngung verliert Thymian sehr schnell seine Würzkraft und Inhaltsstoffe. Junge Pflanzen werden garnicht gedüngt, ältere Stauden erhalten nach der ersten Ernte (etwa im Mai) etwas Stickstoff, damit die Pflanze neue, kräftige Triebe bildet und nicht zu sehr verholzt. Thymian ist sehr frostempfindlich und benötigt unbedingt einen Winterschutz. Hier reicht ein Fichtenreisig, bzw. eine Laubdecke als Frostschutzmassnahme aus.  Wegen dieser Frostempfindlichkeit sollte die Staude erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden. 

Thymian-Staude    Blätter und junge Triebe können das ganze Jahr geerntet werden. Kurz vor der Blüte ist das Kraut besonders würzig und der Gehalt an ätherischen Ölen sehr hoch. Der Hauptbestandteil des ätherischen Öles ist Thymol, das sich in seiner Wirkung desinfizierend zeigt.

   In der Naturkosmetik bietet sich Thymian besonders gut für Kompressen und Gesichtsbäder bei unreiner und fettiger haut an. Innerlich oder äusserlich angewendet, stärkt und kräftigt Thymian der Haarwuchs.

   In der Naturheilkunde findet Thymian durch seine antibakterielle, desinfizierende und krampflösende Wirkung sehr vielseitige Anwendung:

   Als Tee aufgebrüht (einen Teelöffel Thymianblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen und ziehen lassen), mehrmals am Tag warm oder kalt getrunken, ist Thymian ein wirkungsvolles Naturheilmittel bei Bronchitis und/oder Katarrh der oberen Atemwege. Thymian lindert Husten und wirkt  auch bei krampfartigen Magenbeschwerden. Gurgeln und Spülen mit Thymian-Tee bewirkt eine hervorragende Mund- und Rachendesinfektion. Eine Tasse heisser, mit Honig gesüsstem Thymian-Tee soll zu ruhigem Schlaf verhelfen.

   Wer Kräuter im eigenen Garten anbaut, sollte nicht nur die Würzkraft dieser Pflanzen beim Kochen oder Braten nutzen, sondern auch auf die Heilkräfte dieser Pflanzen zurückgreifen. Viele gesundheitliche Beschwerden können bei richtiger Anwendung ohne jegliche Nebenwirkungen gelindert werden.

PROBIEREN SIE ES EINFACH EINMAL AUS !!!


 
Autorin: Ursula Kruse LA Meppen
Erstveröffentlichung: Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 1999

 
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